Project Insight

Product Compliance und Gefahrgut in der SAP S/4HANA Public Cloud.

Lessons Learned aus einem Spezialchemie-Projekt

In der Chemieindustrie ist der Umstieg auf die SAP S/4HANA Cloud, Public Edition (jetzt SAP Cloud ERP) bislang noch wenig verbreitet – insbesondere wegen der spezifischen Anforderungen in Bereichen wie Product Compliance und Gefahrgutmanagement. Die bewusst restriktive Standardisierung der Public Cloud stellt viele Unternehmen vor die Frage, ob sich diese Szenarien cloud-konform abbilden lassen.

Für ein international tätiges Unternehmen der Spezialchemie konnten wir diese Szenarien erstmals in der Public Cloud realisieren. Dieser Beitrag beleuchtet die zentralen Herausforderungen, architektonischen Entscheidungen und Lessons Learned aus der Umsetzung.

Fachliche Titel-Folie: Produktkonformität und Gefahrengüter in SAP S/4HANA Public Cloud – Erkenntnisse aus einem Projekt im Bereich Spezialchemikalien.

Die Herausforderung: Komplexe Anforderungen der Chemieindustrie treffen auf engen Cloud-Standard

Aus Projektsicht standen insbesondere folgende Aspekte im Fokus:

Standardisierung vs. Individualität:
Die SAP S/4HANA Public Cloud bietet klar definierte Prozesse und Datenstrukturen, lässt jedoch im Vergleich zu On-Premise-Systemen kaum Spielraum für kundenspezifisches Customizing oder zusätzliche Felder – eine besondere Herausforderung für chemiespezifische Datenmodelle.

Integration externer Software:
Gefahrgut- und Compliance-Daten sollen für den Kunden weiterhin aus einem externen System (ChemGes) bezogen werden, bis SAP die aktuellen Lücken in der Product Compliance (z.B. Erstellung von Sicherheitsdatenblättern) schließt.

Update- und Release-Fähigkeit:
Alle Erweiterungen mussten vollständig update-sicher sein, um die regelmäßigen SAP-Releases ohne Nacharbeiten zu ermöglichen.

Internationale Skalierbarkeit:
Die Lösung sollte von Beginn an als Template für weitere Länder-Rollouts nutzbar sein.

Die Lösung: Fit-to-Standard mit Side-by-Side Erweiterungen

Statt den SAP-Standard zu umgehen, wurde bewusst ein Public-Cloud-konformer Ansatz gewählt, der den SAP-Standard konsequent beibehält, aber gezielt ergänzte:

  • Side-by-Side-Erweiterung: Entwicklung einer kundenspezifischen SAP Fiori App zur automatisierten Übernahme von Daten aus ChemGes
  • Regelbasierte Verarbeitung der Daten, inklusive Anlage „Unverpackter Produkte“ und Zuordnung „Verpackter Produkte. Das System erkennt Varianten sowie Gefahrgutauslöser selbstständig.
  • Pragmatische Nutzung bestehender SAP Strukturen: Abbildung chemiespezifischer Eigenschaften (z.B. VOC-Werte, Feststoffgehalt) über existierende, ungenutzte Standard-Felder, wo der SAP Cloud-Standard aktuell keine eigenen Strukturen vorsieht.
  • Automatisierte Reports: Entwicklung einer weiteren Fiori-App zur automatisierten Erstellung von Reports für die Poison Centre Notification.

Die Umsetzung erfolgte in einem hybriden Onsite-/Offshore-Setup und konnte innerhalb von vier Monaten realisiert werden.

„Dieses Projekt zeigt, dass SAP S/4HANA Cloud, Public Edition auch in hochregulierten Industrieumfeldern wie der Chemieindustrie eingesetzt werden kann: Wenn der Standard respektiert und gezielt durch intelligente Erweiterungen ergänzt wird.“

Dr. Florian Seufert, Team Lead Regulatory Compliance

Lessons Learned and insights

Die Erfahrungen aus diesem Projekt zeigen: SAP S/4HANA Cloud, Public Edition (jetzt SAP Cloud ERP) ist auch für anspruchsvolle Product-Compliance und Gefahrgutprozesse in der Chemieindustrie eine realistische Option, wenn Architektur, Standardisierung und Erweiterungen sauber aufeinander abgestimmt werden. Statt auf maximale Individualisierung zu setzen, liegt der Schlüssel im bewussten Umgang mit dem Cloud-Standard bzw. den Clean-Core-Prinzipien. Eine Prise Pragmatismus ist notwendig, solange einzelne Funktionen (z. B. SDB-Erstellung) noch nicht im Standard verfügbar sind.

 

Mit dem Go-Live des ersten Standorts wurde die Grundlage für weitere internationale Rollouts geschaffen. Die frühzeitige Entscheidung für den Umstieg auf S/4HANA Cloud reduziert Risiken im Hinblick auf das Ende der Mainstream Wartung für ECC 6.0 2027 erheblich.

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